Worte können verletzen und Worte können heilen. Deutsch wird oft als besonders harte Sprache bezeichnet. Was bedeutet das für Deutsch Sprechende? Die eigene Muttersprache wird selten als hart empfunden, da man ja damit aufgewachsen ist und so in einer Vertrautheit zu Worten, Klang und Melodie ist.
Dennoch erleben alle Menschen regelmäßig emotionale Verletzungen oder Zurückweisungen durch Worte oder durch bestimmte Ausdrucksweisen. Im Versuch, diese Wirkung abzuschwächen, fallen Erklärungen wie „Ich weiß, es war nie so gemeint!“ oder „Das hat er/sie bestimmt nur gesagt, weil er/sie gerade in großem Stress ist!“ oder „Das war nur schnell und unüberlegt gesagt.“
Wir alle wissen aber, weil wir es erlebt haben, dass ausgedrückte Worte nicht mehr zurückgenommen werden können. Sie können zurückgenommen werden, aber was sie im Gegenüber ausgelöst haben, bleibt. Manchmal ähnelt das Gefühl einem Pfeil, der abgeschossen wurde. Er steckt und schmerzt.
Und genauso können Worte auch zutiefst heilsam sein. Sie können sich wie Balsam auf der Seele anfühlen. Sie können Entspannung bringen. Sie können uns aufatmen lassen. Sie können die Sonne in unsere Zellen bringen. Sie können verbinden und vertiefen. Sie können uns helfen, anders zu sehen, zu fühlen, wahrzunehmen. Worte können uns aufrichten, uns Trost geben und uns stärken.
Worte, Ausdrücke, Sätze können uns zum Begleiter werden durch schwierige Zeiten.
Deshalb sind Affirmationen, wiederholt angewandte positive Sätze, wirksam, kraftvoll und belebend. Weil unser Körper und weil unsere Emotionen darauf reagieren.
Manchmal sind es Sätze der Liebe und der Verbundenheit, die noch Jahre lang in uns sind, und immer wieder Trost, Freude und Liebe aktivieren.
Manchmal sind es aufrichtige Wünsche, die uns die Kraft verleihen, durch schwierige Situationen zu gehen. Ein einfaches „Du schaffst das!“ kann so große Wirkung zeigen. Ein „Alles ist gut“ die Dinge wieder in neue Relationen bringen, die leichter zu ertragen sind. Ein „Ich bin bei Dir.“ kann Einsamkeit und Überforderung durchbrechen.
Ich möchte heute alle Leser dazu einladen, bewusster Worte einzusetzen. Vielleicht gibt es die eine oder andere Möglichkeit, einem Menschen, ob fremd oder vertraut, den Moment oder den Tag zu verschönern. Vielleicht hält die Wirkung sogar länger an. Ich möchte dazu einladen, gewohnte Ausdrucksweisen zu betrachten und zu optimieren. Es gibt zum Beispiel einen großen Unterschied zwischen „Darf ich dich angreifen?“ und „Darf ich dich berühren?“. Angreifen kann das Berühren der Haut sein, wird aber auch im Kämpfen verwendet, da gibt es den Angreifer. Wer möchte also angegriffen werden? Berührung hingegen kann die Haut, den Körper, betreffen, aber auch das Herz und die Seele. Berührung kann viele Ebenen erreichen und somit weitreichend wirken.
Ich möchte alle Leser dazu einladen, mehr Komplimente auszudrücken. Dabei spreche ich weniger von „Gar nicht schlecht, wie du heute aussiehst.“ sondern eher von „Du strahlst heute und siehst wunderschön aus.“.
Ein bewusster täglicher Umgang mit Worten macht das Leben schöner und leichter und wir haben eine ganz einfache Möglichkeit, den Menschen um uns Gutes zu tun. Und Gutes wird weitergetragen. Und Schönes verbreitet sich. Und ein Lächeln wird oft meinen einem Lächeln beantwortet.
Lasst uns einander öfter mit schönen, wahren, liebevollen Worten berühren.

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